Von Barbies und Ritterburgen

Von Barbies und RitterburgenIn der deutschen Gesellschaft setzen sich Werte wie Toleranz und Gleichberechtigung langsam immer weiter durch. Klassische Rollenbilder werden unter Erwachsenen immer weiter hinterfragt und immer mehr Menschen, Frauen wie Männer lehnen eine traditionelle Aufgabenverteilung ab.

Während die Grenzen der Geschlechterrollen in der Welt der Erwachsenen immer weiter verwischen, bei Kindern wird mehr denn auf die Zuordnung von Geschlecht geachtet. An der Kleidung und im Spielzeugladen zeigt sich: die Rollen sind klar verteilt. Mädchen sollen sich mit Barbies, Plüschtieren und Feenfiguren beschäftigen. Jungen mit Rennautos, Ritterburgen und Actionhelden. Dabei wird bei der Verpackung peinlich darauf geachtet, dass die farbliche und stilistische Codierung peinlich genau darauf ausgerichtet ist, jeweils Mädchen und Jungen anzusprechen.

Auch Spielzeughersteller wie Lego, die bisher Spielzeug hergestellt haben, das von seiner Gestaltung und Vermarktung gleichermaßen auf Jungen und Mädchen ausgerichtet war, setzt jetzt konsequent auf traditionelle Geschlechterklischees.

Was steckt hinter dieser Verkaufsstrategie?

Die Verkaufsstrategie, die sich in den Spielzeugläden der Republik scheinbar durchsetzt lässt sich mit dem Begriff geschlechterspezifisches Marketing beschreiben.

Ab dem Alter von zwei Jahren beginnen Kinder Erwachsene im Spiel nachzuahmen und schlüpfen in angebotene und vorgelebte Geschlechterrollen. Dabei ist auffällig, dass Kinder dazu tendieren, Erwachsene des eigenen Geschlechts eher nachzuahmen, als Erwachsene des anderen Geschlechts. Söhne ahmen eher ihre Väter nach, als ihre Mütter. Töchter orientieren sich eher an ihren Müttern und anderen Frauen in ihrem Alltag. Kinder beginnen sobald sie eine Welt außerhalb des Elternhaus wahrnehmen können damit, sie nachzuahmen.

Mädchenspielzeug

Wenn Kinder beim Einkaufen mit den Eltern sehen, dass eher eine Frau an der Kasse des Supermarktes steht, dann wird die Tochter die Rolle der Verkäuferin beim Rollenspiel im Kaufmannsladen einnehmen wollen. Außerdem neigen Kinder dazu, Rollenbilder stärker ausleben zu wollen, was für Erwachsene bisweilen karikierend wirken kann

Diesen Effekt machen sich Spielzeughersteller zu Nutze. Kinder, die gerade dabei sind ihre eigene Identität zu erforschen äußern diese stereotyper als Erwachsener und lehnen vehement unpassendes Spielzeug ab. Ein Junge, der dazu erzogen worden ist, dass Rose eine Mädchenfarbe ist, wird sich standhaft weigern, das rosa Laufrad seiner Schwester zu benutzen. Das ist zwar Unsinn, des das Laufrad ist unabhängig von seiner Farbe voll funktionstüchtig – aber das bietet der Spielzeugindustrie das gleiche Spielzeug mehrmals zu verkaufen. Ein Laufrad in einer geschlechtsstereotypen Farbe können Eltern nur überraschend schwer an das nachgeborene Kind weitergeben.

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Kinder spielen gern mit klischeehaftem Spielzeug

Die Spielwarenindustrie vermarktet fleißig den Mythos des 19. Jahrhundert, dass in jedem Menschen grundsätzlich, geschlechtsspezifische Steinzeitmenschengene stecken. Daher, so erklärt sich ein Spielzeugmarketinginstitut, das daher Jungen von Natur aus mit Pistolen spielen und Mädchen lieber mit Plüschtieren kuscheln würden. Was Pistolen und Plüschtiere mit der Steinzeit zu tun haben, konnte das Institut leider nicht erklären.

Sowohl die Soziologie, Anthropologie und die Geschlechterforschung ist heute viel weiter und lehnt diese Thesen entschieden ab. Es gibt keine Belege diese Rollenverteilung biologisch vorgegeben ist. Die moderne Forschung geht im Gegenteil davon aus, dass sich bereits im Kindesalter diese Rollenverteilung beim Kind festsetzt – in dem sie dem Kind von seiner Umwelt vorgelebt wird.

Spielzeug manifestiert Rollenbilder

Das Spielzeug, mit dem Kinder spielen, hat großen Einfluss darauf, wie sich die Identität von Kindern entwickelt. Das rosa und hellblaue Spielzeug aus der frühen Kindheit sorgt in der weiteren Entwicklung des Kindes dazu, das sich Töchter eher in einer rosa Glitzerwelt zuhause fühlen und Jungen mit Lego spielen. Es manifestieren sich leicht Geschlechterklischees, dass Söhne eher ein Interesse für Technik entwickeln.

Jungen und Mädchenspielzeug

Ob die Manifestierung traditioneller Rollenbilder in frühen Kindheitstagen wünschenswert ist müssen Eltern entscheiden und gesellschaftlich debattiert werden. Ist es im Sinne einer gleichberechtigten Gesellschaft, Kinder so zu erziehen, dass Töchter sich mit lieben, netten und immer hübschen Vorbildern aus Spielzeug und Kinderfilmen identifizieren? Und das Söhne meinen sich mit Rücksichtslosigkeit durchsetzen zu dürfen?

Psychologen haben über die gesellschaftspolitischen Fragen hinaus festgestellt, dass es für die kindliche Entwicklung förderlich ist, diesen die Wahlfreiheit zu geben, mit dem Spielzeug zu spielen, das sie interessiert, anstatt sie direkt oder indirekt in der Wahl des Spielzeugs zu beeinflussen.

Untersuchungen mit Kindergartenkindern haben gezeigt, dass Kinder aus geschlechterübergreifenden Gruppen, in denen sie gleichermaßen typisches „Jungen“ und „Mädchen“ Spielzeug benutzen durften, bessere technische wie sozial-emotionale Kompetenzen entwickelten, als Kinder aus getrennten Gruppen.

Eltern sollten ihren Kindern also die Freiheit lassen, sich das Spielzeug auszusuchen, das sie interessiert – unabhängig von dessen Vermarktung. Und darauf hinweisen, dass ein rosa Laufrad genauso gut fährt, wie ein blaues.

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